Tag 55-61: Schwere Woche und neuerlicher Ausfluge nach Vilnius

Samstag, 29.09.2012

Endlich ist wieder einmal Wochenende :). Die vergangene Woche war nicht so toll. Am Donnerstagnachmittag gab es einen Angriff gegen mich. Ein Junge hat wieder mal seine Schwester verprügelt. Ich bin natürlich dazwischen gegangen und habe das Mädchen getröstet und mich dann eine längere Zeit mit ihr allein beschäftigt. Wir sind dann beide zum Nachmittagssnack wieder rüber in das Haus der Kinder gegangen. Dort habe ich mich mit ihr, zu einem andern Jungen an den PC gesetzt. Als ich kurz aufstand und zum Tisch ging, um mir noch was zu trinken zu holen, kam auf einmal ihr Bruder wieder rein ins Haus und schmiss mit voller Wucht mit 2 Joghurts auf mich. Nicht schön, überhaupt nicht schön. Meine ganze Kleidung, meine Haare und mein Gesicht sowie Hals und Arme waren voller Joghurt. (P.S. Es waren zwei 0,5 Liter Joghurts, d.h. ich war mit einem Liter Joghurt voll.)  Ich bin dann auch gleich in unser Haus und habe mir erstmal Haare gewaschen und mich halb geduscht. Dass wir nur eiskaltes Wasser hatten, war mir egal. Ich bin an dem Tag auch nicht noch mal rüber ins Haus der Kinder gegangen. Ich war so fertig und am Ende und wäre am Liebsten sofort von Koncepto abgereist. Da hier aber auch eine wirklich tolle Erziehung herrscht, hat der Junge keinerlei Strafen bekommen. Toll. Am nächsten Tag war er nicht in der Schule und anstatt, dass er mit im Haushalt helfen (z.B. Hausputzen) oder im Garten arbeiten muss, sitzt er den ganzen Tag vorm Computer und schaut Filme bzw. spielt Spiele. Wenn ihm keinerlei Konsequenzen drohen, wenn er schlechtes Verhalten an den Tag legt, wie soll er dann lernen, dass das, was er getan hat nicht richtig ist? Hier ist die Erziehung allgemein so gut wie nicht vorhanden. Wenn ein Kind ein anderes verprügelt, wird höchstens mal dessen Namen gerufen, aber das wars auch schon.

Ich hab echt keine Lust mehr aufs Kinderheim. Ich hoffe echt, ich kann langsam mal nach Alytus.

Heute waren wir wieder einmal in Vilnius. Diesmal besuchten wir den Burg“berg“, besser gesagt, das Burghügelchen. Allerdings muss ich sagen, dass die Aussicht von dort oben auf Vilnius echt seeehr schön ist, was ich von unten gar nicht so erwartet hatte, als ich das Hügelchen sah. Wir fuhren mit so einer Art Minidrahtseilbahn nach oben und bestiegen dann einen kleinen Turm. Ist echt nur weiterzuempfehlen (weil mega Blick auf Vilnius). Auf runterzu mussten wir dann laufen, da die Bahn nicht mehr fuhr. War weiter nicht schlimm, da der Weg jetzt nun auch kein ganz so weiter war. Als sich jedoch der Weg runtezu gabelte, nahmen wir den, der eher in unsere Richtung ging, von der wir auf hinzu gekommen waren. Als wir unten ankamen, standen wir vor einem Zaun mit Tor und kamen nicht raus. Also gingen wir an dem Zaun unten entlang, einige Meter über uns verlief der eigentliche Weg parallel. Wir dachten eigentlich, dass wir so wieder auf den richtigen Weg kommen mussten. Kamen wir aber nicht direkt. Denn vorne an einem Tor angelangt, standen wir immer noch unten auf dem Trampelfahrt und der Weg war immer noch ein paar Meter über uns. Also mussten wir eine kleine Kletterpartie einlegen, um auf den richtigen Weg zu kommen und somit wieder raus aus dem Burg-Gelände. Anschließen fuhren wir wieder einmal ins Akropolis-Center, da wir ja noch Firats Brille von Fielmann abholen musste (sie war kaputt gegangen und wir brachten sie letzte Woche dorthin), erledigten dort unseren Wocheneinkauf und aßen Mittag.

Am Abend wollten wir eigentlich in Elektrenai schwimmen gehen, doch dort angekommen teilte man uns mit, dass sie noch geschlossen hätten und erst am 01. Oktober wieder öffnen würden, also am Montag. Seeehr schade. Also überlegten wir, wohin wir noch könnten und entschieden uns für Kaisiadorys, einer kleinen Stadt 20 Minuten von Elektrenai sowie von Koncepto Kaimas (Kinderheim) entfernt. Als wir in Kaisiadorys ankamen mussten wir uns das Schwimmbad erstmal zeigen lassen. Aber leider war auch dieses geschlossen. Wir ärgerten uns sehr, warum wir nicht einfach in Vilnius baden gegangen sind. So kehrten wir unverrichteter Dinge wieder nach Elektrenai zurück und aßen in CanCan Pizza Abendbrot. Nun sind wir wieder im Kinderheim.

Morgen, am Sonntag, wollen wir mal nichts unternehmen und den ganzen Tag nur faulenzen und vor allem ausschlafen. Das muss auch mal wieder sein.

Keine Sorge, ich bin nur den Feldweg vom Kinderheim vor zur Straße gefahren ;). Statue von Mindaugas, dem Gründer Litauens. Burgturm auf dem Burgberg. Vom Turm aus hatte man eine tolle Aussicht auf Vilnius. Das ist das eine komische weiße Haus, von dem ich letztens Berichtet habe, mit der schönen Kirche, nochmal von oben zu sehen. So als kleine Gedächtnisstütze, so sieht die Flagge von Litauen aus.

Und wieder einmal ein niedliches Bildchen zum Schluss.

Rozalia mit ihrem kleinen Danielus.