Tag 24-39: Die letzten beiden Urlaubstage und Ankunft sowie das Leben im Kinderheim.

Samstag, 08.09.2012

So, dass ich lange nichts mehr von mir hören lassen habe liegt daran, dass ich bisher noch nicht die nötige Ruhe dafür hatte einen neuen Eintrag zu hinterlassen, da ich eigentlich permanent mit den andern Freiwilligen zusammen bin.

Den letzten Urlaubstag in Nida waren wir vormittags im Thomas Mann Museum und nachmittags am Strand. Das Thomas Mann Museum fand ich ziemlich interessant, da ich viel über sein Leben erfahren habe, was ich bisher noch nicht wusste. Außerdem hat mir auch der Baustiel seines Sommerhauses (indem sich das Museum befand) sehr zugesagt, da er, wie ich fand schon recht modern und schön war. Vormittags, als wir noch im Museum waren, schien noch die Sonne, nachmittags allerdings, als wir uns fertig für den Strand gemacht hatten nicht mehr. Naja, machte nix. Ich bin dann noch mit meinem Vati in die Ostsee gesprungen, damit ich  sagen konnte, dass ich auch drin war.

Der Beweis: Wir waren drin und ja, es war kalt, aber schön ;).

Nächsten Tag sollte es dann nach Kernave gehen unserem 2. Urlaubsdomizil. Auf dem Weg dorthin (verbunden mit einem kleinen Umweg) machten wir noch halt im Bernsteinmuseum in Palanga und beim Berg der Kreuze in der Nähe von Siaulai (oder so ähnlich {#emotions_dlg.wink}). Das Bernsteinmuseum befand sich in einem Schloss, was sich wiederrum in einem wunderschönen Park befand. Da wir nicht sehr viel Zeit hatten konnten wir uns leider den Park nicht noch in Ruhe angucken. Das Museum an sich fand ich schon sehr schön, hat mich jetzt aber nicht so krass vom Hocker gerissen, dafür, dass es das größte Bernsteinmuseum Europas sein sollte. In Palanga haben wir dann noch, da es ja schnell gehen musste, bei einem Kebabas (eine Art Imbiss) einen Dürum bzw. eine Pizza gegessen. Dann ging es weiter zum Berg der Kreuze. Den Weg dahin habe ich wieder einmal verschlafen, aber die Landschaft Litauens ist auch nicht gerade Abwechslungsreich. Unter Berg, darf man sich weniger einen wirklichen Berg vorstellen, sonders es war eher ein Hügelchen von max 9m Höhe. Allerdings war der Hügel und die Wiese um den Hügel herum voller Kreuze, was ich sehr beeindruckend fand. Ich glaube so viele Kreuze auf einmal, nebeneinander, übereinander habe ich noch nie gesehen. Auch sahen wir dort viele Brautpaare, die extra dort hingefahren sind um sich dort fotographieren zu lassen und zu beten. Jeder, der dort hinkommt/hinpilgert und gläubig ist bringt sein eigenes Kreuz mit und schreibt einen Wunsch/ein Gebet für sich oder für einen Freund drauf und steckt es zu den andern Kreuzen in die Erde bzw. hängt es als Kette an ein anderes Kreuz.

Das Schloss in dem das Bernsteinmuseum sich befindet. Schachbrett aus Bernstein. Berg der Kreuze. Ebenfalls der Berg der Kreuze (hinter de, Berg geht es noch weiter ;)).

Am Abend dann wechselten wir in unsere neue Unterkunft und waren sehr enttäuscht. Die Ferienwohnung gehörte zu einem 4. Steren Hotel. Die Ausstattung und die Sauberkeit entsprachen aber in keinster Weise den Sternen. Naja, mir war es egal, da ich ja eh den nächsten Tag ins Kinderheim gehen sollte/musste. Aber hätte ich da schon gewusst, was mich im Kinderheim erwarten wird, so wäre ich über den Standart in der FeWo froh gewesen.

Am Sonntag dann ging es Vormittags nach Vilnius. Dort schauten wir uns die schöne Altstadt an und ich war von Vilnius echt begeistert.  Teilweise fand ich, sahen die Häuser leicht Südeuropäisch aus. (Habe aber leider keine Bilder, sind alle bei meinem Papi auf der Dicicam). Gegen 14.00 trafen wir uns dort auch mit Firat, dem Mitfreiwilligen, und fuhrem mit ihm wieder zum Flughafen, da er dort noch seine Koffer hatte und wir uns dort eigentlich auch mit Elena, der Leiterin des Kinderheims treffen wollten, da wir keinen blassen Schimmer hatten, wo das Kinderheim denn nun eigentlich liegt. Wir warteten und warteten, dann kam ein Anruf von Franzi (der anderen Freiwilligen, die mit dem Bus nach Litauen gefahren war) das Elena nicht gekommen ist und sie schon Ewigkeiten wartet. Also fuhren wir zum Busbahnhof von Vilnius. Dort wartete, zum Glück, mit Franzi ein Bekannter von Elena und erklärte uns wohin wir fahren müssten, also welche Autobahnausfahrt und wie dann weiter, Franzi selbst setzte er dann noch in den richtigen Zug.

Die Ankunft im Kinderheim war dann noch ok, Elena bot uns allen im Haupthaus (wo sie selbst auch wohnt) einen Tee an und wir redeten dann in Ruhe. Als Franzi dann da war, verabschiedete sich meine Familie von mir, allerdings mit dem Hintergedanken, dass wir uns am Donnerstag (den Tag vor ihrer Abreise aus Litauen) nochmal sehen würden. So gab es Sonntag abend noch keine große Abschiedszeremonie. Der Schock kam dann erst, als Elena uns unser Haus zeigte. In den Zimmer standen kaum Möbel und die, die da waren, waren entweder kaputt oder total versüfft. Allgemein waren unsere Zimmer und die sanitären Anlagen ziemlich dreckig. Außerdem funktionierten die sanitären Anlagen nicht richtig und wir hatten die ersten Tage nur kaltes Wasser. Und ich muss sagen, es ist echt nicht schön sich mit eiskaltem Wasser zu duschen. (Inzwischen gehen wir bei den Kindern im Haus duschen, da es dort wenigstens warmes Wasser gibt und der Wasserdruck ganz ok ist). Nachdem wir dann unsere ganzen Zimmer gründlichst gesäubert haben und uns noch die besten Möbelstücke zusammen gesucht hatten sah die Welt schon wieder besser aus. Allerdings machte es mir von daher auch nicht mehr so viel aus, da ich ja wusste, hier nur 1,5 Wochen bleiben zu müssen (das daraus nun 1,5 Monate werden, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht). Allerdings haben wir jetzt auch schon in den ersten beiden Wochen mehr als 150€ ausgegeben um uns einigermaßen einzurichten. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass wir pro Monat nur 100€ Taschengeld bekommen. Zusätzlich kommt noch hinzu, dass Firat das Essen hier nicht schmeckt und wir noch Brot, Käse, Müsli und Milch kaufen müssen. Außerdem können wir hier das Leitungswasser nicht zum Zähneputzen bzw. zum trinken nehmen (riecht fürchterlich, wie Abwasser oder verfaulte Eier) und müssen uns so immer Wasser bzw. Wasserkanister kaufen, was auch ziemlich viel Geld verschlingt. 

Was uns auch ganz schön zu schaffen macht ist die krasse Abgeschiedenheit. Das "Dorf" besteht aus gerade mal 6 Häusern. Der nächste Ort ist 3km entfernt und zur nächsten Stadt (Elektrenai) brauchen wir mit dem Kleinbus des DRK (der uns glücklicherweise zur Verfügung steht) rund 15 Minuten. Aber ohne Bus können wir hier nicht so einfach weg. Dadurch können wir hier auch keine anderen Jugendlichen in unserem Alter kennen lernen. Was mir zusätzlich noch ganz schön auf die Nerven geht ist, dass wir mit den Kindern permanent zusammen sind. Dh, wir können nicht einfach so in den Feierabend gehen wie jeder normaler Mensch, sondern sind hier immer mit den Kindern zusammen. Auch am Wochenende. Als wir letzte Woche das erste mal mit dem Kleinbus nach Elektrenai fahren konnten haben wir uns wie bekloppt gefreut.

Auf dem Weg nach Elektrenai. Firat und ich.

Letztes Wochenende sind wir Samstag nach Trakai zur Wasserburg gefahren. Dort angekommen haben wir für 15lt (umgerechnet 4€) erstmal Mittag gegessen.  Ziemlich günstig, aber für litauische Verhältnisse normal. In der Burg selbst haben wir uns an eine deutsche Führung ran gehängt und so ziemlich viel von Burg, Land und Leute aus der Zeit Mindaugases (Gründer Litauens) erfahren. Sonntag waren wir beim Mittelpunkt Europas und im Europapark. Von dem Europapark war ich nicht so angetan. Sehr teurer Eintritt und die ausgestellten Skulpturen waren nur moderne Kunst. Auf dem Heimweg haben wir noch kurz in einem Einkaufszentrum in Vilnius halt gemacht und eine Kleinigkeit gegessen und gekauft.

Wasserburg Trakai Firat und ich vor der Burg. Hiiiilfeeee! Mittelpunkt Europas! Europa Park - Der Sessel, noch eine der sinnvolleneren Skulpturen.  Firat mit Skulptur.

Am Montag war der erste Schultag der Kinder und so mussten wir um 6.00 Uhr aufstehen und die Kinder für die Schule fertig machen. Nachdem die Kinder zur Schule sind (um 9.00) haben wir uns nochmal schlafen gelegt. Aber i.wie interessiert es hier auch keinen wenn man einfach mal 4h nicht da ist. Leider gibt es hier auch nicht wirklich Arbeit für uns. Die Kinder sind um 15.00 aus der Schule gekommen und bis dahin hatten wir nix zu tun. Allgemein werden wir hier ein wenig fürs chillen bezahlt, bissel mit den Kindern spielen, fern sehen, dass wars. Gestern haben wir endlich unseren Arbeitsplan bekommen. Allerdings haben wir trotzdem noch genügend Freizeit während die Kinder in der Schule sind. Die Kinder akzeptieren uns zum Glück langsam. Aber sie müssen sich ja auch erstmal an uns gewöhnen. Mit ein paar von ihnen spielen wir regelmäßig UNO und Okey bzw. Basketball. Aber vor allem die Jungs bekommen wir einfach nicht vom Computer weg. Montag abend haben wir extra für die Kinder Stockbrot und Lagerfeuer gemacht. Von einigen wurde es ziemlich gut angenommen (von denjenigen, mit denen wir sowieso immer zusammen was machen) von anderen weniger, da sie wiedermal vorm PC sahsen und dieser wichtiger war als ihr Abendbrot. 

Lagerfeuer.

Am Dienstag dann waren Herr Nowack und Herr Breitbach in Koncepto/im Kinderheim und haben mit uns über die Zeit hier und unsere Probleme geredet. Franzi und Firat wollen auf keinen Fall ein ganzes Jahr hier bleiben und wollen deshalb Alternativen. Herr Nowack unterbreitete mir die Hiobsbotschaft, dass ich hier nun doch länger bleiben muss als erst gedacht, da sich Roma, meine Ansprechpartnerin in Alytus, (schon vor längere Zeit das Bein gebrochen hatte) erst einarbeiten muss. Mich hat diese Nachricht total runtergezogen, da ich mich schon so sehr auf Alytus gefreut hatte und nun doch noch länger hier bleiben muss, wo es mir hier schon nicht so mega krass gefällt. Außerdem hat mir Herr Nowack nochmal in aller Deutlichkeit klar gemacht, dass ich einen Führerschein brauche. Meine Eltern müssen Montag erstmal bei meinem Fahrlehrer anrufen und klären, ob er inzwischen raus bekommen hat, ob ich meinen Führerschein hier machen kann oder nicht. Ansonsten müsste ich wahrscheinlich echt nochmal nach Haus fliegen, aber dass will ich nicht so ganz, da ich Angst habe, dass ich nicht mehr hier her zurück will. Naja, mal den Montag abwarten.

Donnerstag waren wir mit den KIndern in der Schule, was ich eigentlich ziemlich cool fand. War mal eine Abwechslung. Wir haben uns in verschiedene Klassen mit reingesetzt (also wo Kinder von uns waren) und haben dem Unterricht beigewohnt. War ganz cool. Und hat mit sehr Spaß gemacht. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen mal zu sagen, dass ich in die Schule will und das es echt cool war.

Schulbus

Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss. Seit froh, dass ihr im warmen Deutschland sitzt, uns ist hier jeden Tag soo kalt. Aber die Temperaturen entsprechen auch eher denen von Oktober oder November. Echt nicht schön. Wir mussten heute schon den Lüfter von Franzi anmachen. So ist es auch kein Wunder, dass der erste litauische Satz war (den wir hier gelernt haben), "Mir ist kalt!" = "Man schalta!". Mit der Sprache geht es so langsam ein wenig vorwärts, also dh. wir lernen jedentag neue Wörter hinzu. Reicht natürlich nicht, um sich mit den Kindern auf litauisch zu unterhalten, aber zum Glück können hier einige ganz gut englisch, was die Kommunikation wesentlich erleichtert.

So, jetzt noch ein paar Bilder zum Schluss und dann war es das heute erstmal von mir.

Die schlaue Art Wäsche zu trocknen :D. Das Baby (Danielus) von einem Mädchen hier (15). Rosalia (Momy) und Baby. In Zasliai (wo die Schule ist) am See. In Elektrenai am See. Der litauische Mixer :D. ... und fertig ist der Geburtstagskuchen für Rosalia.