Berichte von 10/2012

Tag 78-89: So diverse Impfungen und Besuch von meiner allerliebsten Susann :).

Sonntag, 28.10.2012

Die letzten beiden Wochen, besonders die Letzte war sehr ereignisreich.

 

Vor zwei Wochen kam eine Ärztin ins Kinderheim, die die Kinder geimpft hat. Obwohl, das Wort impfen ist eher unpassend. Die Ärztin hat einen TBC (Tuberkulose) Schnelltest unter die Haut gespritzt. Ich habe mich diesem Schnelltest auch gleich noch unterzogen. Es wird also eine Flüssigkeit in den Unterarm gespritzt. Hatte man schon mal TBC bzw. einen TBC-Fall in der Familie, trägt man bestimmt Bakterien in sich. Schwillt die Haut um den Einstich an, weiß man, dass diejenige Person diese Bakterien in sich trägt. So muss man besonders auf diese Person achten, wenn er stark hustet, denn es könnte sein, dass die Krankheit dann ausgebrochen ist. Durch den Schnelltest wissen die Erzieher, wer besonders gefährdet ist. Nach 2 Tagen kam die Ärztin wieder und kontrollierte die Einstiche. Mein Stich sah ganz normal aus, dass heißt nun, dass ich mir sicher sein kann noch nicht mit TBC infiziert zu sein. Beim zweiten Mal, als die Ärztin da war, habe ich mich noch Grippeschutzimpfen lassen.

 

Letzten Samstag kam dann Susann zu Besuch. Wir hatten extra schon mehrere Wochen vorher Elena bescheid gesagt, dass wir das ganze Wochenende weg sein werden und gefragt, ob wir den DRK-Bus bekommen könnten. Sie sagte immer ja. Auch am Donnerstag bevor Susann kommen sollten fragten wir vorsichtshalber noch mal nach und ich schrieb ihr einen Plan, wann wir was unternehmen wollen. Als wir Samstagmorgen los wollten kam Elena auf ein mal schreiend an und sagte, dass wir nicht fahren dürfen. Sie bräuchte den Bus selbst, da ihr Auto kaputt wäre. Victor, eine Junge von hier, der bei uns war, meinte zu uns, sie könnte den Bus ja gar nicht fahren, da sie nur Automatik fahren könne, außerdem standen noch 3 andere Autos zur Verfügung, die sie alle hätte nehmen können. Naja, nach einer Weile diskutieren haben wir dann gesagt, dass Firat eben Samstagabend schon zurück kommt und nicht wie erst geplant Sonntag. So haben wir dann doch noch das Auto bekommen, aber ich habe mich natürlich zu Recht maßlos über diese Aktion von ihr aufgeregt.

Am Flughafen war dann natürlich die Freude groß, als Susann und ich uns endlich in den Arm nehmen konnten. Wir fuhren dann alle zusammen zum Hostel um die Sachen abzuladen und dann ging es ins Akropolis-Center, wo wir den ganzen Nachmittag verbrachten. Abends wollten wir in eine Bar gehen. Ich hatte schon extra vorher welche rausgesucht, aber entweder sie sahen von außen komisch aus, waren völlig überfüllt oder waren erst ab 18. Auf alle Fälle haben wir nichts gefunden, was uns allen zugesagt hätte. Nachdem wir sicher eine oder anderthalb Stunden lang gesucht haben sind wir dann zu Charly-Pizza und haben es uns dort gut gehen lassen. Firat ist dann noch in der selben Nacht zurück gefahren und Susann und ich sind auch relativ zeitig ins Bett (es war ein oder zwei Uhr ;) ), da Susannn von der Reise sehr fertig war. Am nächsten Morgen oder besser gesagt Mittags sind wir erst einmal richtig frühstücken gegangen, bevor wir einen Rundgang aus meinem Reiseführerbuch gemacht haben. Da die Wegbeschreibungen da echt präzise sind, haben wir uns erst ein wenig verlaufen und sind so noch zum „Berg der drei Kreuze“ gelangt. Wäre das Wetter nicht so diesig gewesen, hätte man eine super Aussicht auf Vilnius gehabt, aber so …. Nach einer Weile haben wir dann aber doch noch den Einstieg zu dem Rundgang gefunden und haben erst die St.-Anna Kirche, dann das Bernadiener-Kloster, eine Orthodoxe Kirche und die Uzupio-Republik besichtigt. Die Uzupio-Republik liegt mitten in Vilnius und wurde als PR-Gag ausgerufen. Sie hat alles, was eine Republik ausmacht, eigenes Nummernschild, eine Staatsoberhaupt, einen Botschafter in Moskau, eine 12-Mann-starke Armee und so weiter. Abends sind wir in den besten Pub in Vilnius gegangen und haben es uns bei Fish ’n’ Chips sowie einem Bier gut gehen lassen. Danach wollten wir eigentlich noch in eine Bar, die gleich auf dem Weg zum Hostel lag, aber diese  war auch wieder überfüllt. So sind wir dann noch in eine Eisdiele, die echt cool aussah und das Eis dort war echt super. Am nächhsten Tag haben wir den Rundgang, den wir Sonntag angefangen hatten noch beendet und bei Charly-Pizza gut Mittag gegessen, dann war es auch schon wieder Zeit mit dem Bus von Vilnius nach Elektrenai zu fahren. Firat hat uns dann in Elektrenai mit dem DRK-Bus abgeholt.

Mittwoch wollten wir eigentlich schon vormittags schwimmen gehen, aber Enus und die anderen Arbeiter hier, haben den Bus selbst benötigt, also haben wir das Schwimmen gehen dann auf abends verlegt. Aber es war wieder ein Kampf von Elena den Schlüssel fürs Auto zu bekommen. So voll wie die Schwimmhalle an dem Abend war habe ich sie noch nie erlebt. So richtig zum Schwimmen bin ich aber nicht gekommen. Nach ungefähr einem Kilometer, also 20 Bahnen, habe ich dann aufgehört und mit Susann und Firat mit einer Nudel rumgealbert.

Am Freitag sind wir dann nach Kaunas gefahren. Um einen neuerlichen Kampf um den Autoschlüssel mit Elena zu vermeiden hatten wir beschlossen uns nur von Elena zur Bushaltestelle in Elektrenai bringen zu lassen (ihr Auto funktionierte wieder) und von dort dann mit dem Bus nach Kaunas zu fahren. Wir fragten Elena am Donnerstag sicher drei Mal, ob sie uns nach Elektrenai zum Busstop bringen kann, da wir nach Kaunas wollten. Am Freitagmorgen stehe ich beim Zähneputzen und sehe so aus dem Fenster und was sehe ich da? Elena fährt mit ihrem Auto weg. Da dachten wir uns schon, na toll, was soll das jetzt werden. Wir sind dann rüber ins Haupthaus und haben die Betreuerin gefragt. Diese meinte, dass Elena zur Universität gefahren sei, entweder nach Vilnius oder nach Kaunas, aber so genau wusste sie es nicht. Ganz toll, wozu fragen wir sie dann extra drei Mal. Auf alle rief dann die Betreuerin Enus an und dieser kam dann. Er übergab uns den DRK-Busschlüssel, ohne das wir ihn Fragen mussten. So sind wir dann mit dem Bus nach Kaunas. Der Gang durch die Altstadt fiel äußerst kurz aus, da die Temperaturen, besser gesagt der Wind echt eisig waren. Nach einem kurzen Abstecher in eine der berühmten Kellerkneipen sind wir dann ins Akropolis-Center gefahren. Dort wartete auf Susann noch eine kleine Überraschung, nämlich Eislaufen. Die Eisbahn liegt mitten im Einkaufszentrum und rings rum sind Restaurants. Es hat rießigen Spaß gemacht, auch wenn ich in der letzten Runde tierichst hingefallen bin und mir dicke, blaue Knie zugezogen habe. Danach sind wir noch ein wenig von Laden zu Laden geschlendert, ich habe mir neue Schuhe gekauft und einen Teddybären für klein Noah (das Baby einer Freundin). In ein 5-D Kino sind wir auch noch gegangen, aber der Film war echt meeegaaa schlecht. Den Abend haben wir noch bei einem Dosenbier und Film ausklingen lassen. Davor jedoch, bevor wir uns einen Fetten gemacht haben, haben wir uns noch von Enus den Autoschlüssel vom Jeep geben lassen, da Elena uns vorher gesagt hat, dass die Kinder an dem Samstag nach Vilnius fahren und sie den Bus bräuchten. Am nächsten Morgen klopft jedoch ein Betreuer an unsere Tür und meinte, dass Firat fahren muss, da sie keinen Fahrer hätten. Wir sind dann natürlich gleich zu Elena, da ja erstens gestern unser freier Tag war und zweitens wir ja Susann zum Flughafen bringen wollten. Als wir in der Küche ankamen fragte Elena uns wo wir denn am Freitag gewesen wären und ich sagte, in Kaunas, wir hätten es ihr ja auch vorher gesagt. Auf einmal geht mich Elena an und sagte, dass sie nicht mit mir reden würde, sondern mit Firat und ich den Mund zu halten hätte. Dann sagte sie noch, dass sie uns doch gesagt hätte, das Firat die Kinder nach Vilnius fahren müsste. Wir sagten ihr dann auch, dass sie das niemals gesagt hätte. Sie ging uns dann die ganze Zeit voll und jeder zweite Satz, vor allem an mich, war „Be carefull“, also auf Deutsch, „Sei vorsichtig, was du sagst!“. Ganz toll, so redet man ja auch mit uns. Ich konnte natürlich dann auch nicht mehr ruhig bleiben. Das Ende vom Lied war, dass wir dann mit den Kindern zusammen nach Vilnius gefahren sind. Man muss sich vorstellen, Firat sollte fahren und hinten drin sitzen 12 Kinder + 1 Betreuer und vorne wir drei (Firat, Susann und ich). In einem Bus, der für 9 Leute ausgelegt ist, sitzen 16 Leute. Wären wir „nur“ nach Elektrenai gegangen wäre es ja vllt ausnahmsweise noch gegangen, aber nicht nach Vilnius, zumal ja Firat noch in der Probezeit ist. Am Flughafen habe ich dann mit Susann gewartet bis es Bordingtime war und Firat ist mit den Kindern zu einer Veranstaltung gefahren, später hat er mich dann vom Flughafen abgeholt und ist mit mir zu der Veranstaltung. Gestern Abend stand ich dann noch bis 21.00 in der Küche um einen Kuchen für die Kinder zu backen, da ich ja morgen das Kinderheim endlich verlassen werde. Firat hat gestern und heute mehrmals nach dem Schlüssel fragen müssen, um mich Morgen früh nach Alytus fahren zu können. Meine ganzen Sachen sind soweit nun auch schon gepackt, der Rest muss morgen noch rein. Ja, endlich ist der Umzug morgen soweit. Ich freue mich schon sehr, aber habe natürlich auch Angst vor der Einsamkeit dort und vor den neuen Erlebnissen, die die Arbeit und das Kennenlernen von neuen Menschen so mit sich bringt. Aber ich bin dermaßen froh, dass ich von hier weg kann, denn mit der Zeit ist es mit Elena immer schlimmer geworden. Selbst heute am Sonntag kam sie an und sagte, Firat sollte sie wohin fahren. Oh man, wie ich diese Frau nicht leiden kann, um es mal nett auszudrücken. Der arme, der Firat muss noch länger hier aushalten.

 

Und zum Schluss noch ein paar Bildchen.

Lieb Susann und ich vor der Kathedrale. Jeeehuuuu Susann ist da :)! Kathedrale Die St-Anna Kirche. Die Uzupio-Republik liegt mitten in Vilnius und wurde als PR-Gag ausgerufen. Der Susanns kleine Überraschung, Eislaufen. Ja, das Leben ist schön :).

Tag 69-77: Nichts neues im Osten!

Montag, 15.10.2012

Und wieder einmal ist eine weitere Woche vergangen. Diesmal ist nicht wirklich viel passiert und ich hatte erst überlegt keinen Eintrag zu verfassen, aber ich wollte euch nicht so ganz ohne Informationen schmoren lassen ;).

Am Samstagvormittag waren wir schwimmen :). Erst dachten wir, dass es ein Fehler ist frühs schwimmen zu gehen, denn der ganze Parkplatz stand voller Autos und Busse. Aber als wir rein kamen, sahen wir, dass in der angrenzenden Turnhalle (Schwimmhalle, Sporthalle und anderes Sportzeugs liegen in einem Komplex) ein Judowettkampf statt fand. Die Schwimmhalle an sich war komplett leer. Ich spezialisiere mich nun eher auf „Langstrecke“ anstatt auf 100m Sprint. Firat zu liebe bleibe ich auch nur 1h im Wasser.

In Kaunas waren wir dann doch nicht in der Altstadt, wie wir es erst geplant hatten, denn ich blödes Kind habe das Buch zu Hause liegen gelassen, in dem drin steht, wo die Altstadt anfängt bzw. wo die liegt und in dem auch ein Rundgang beschrieben ist. Das ich das Buch nicht mit habe, habe ich erst mitbekommen, als wir schon ein ganzes Stück von Elektrenai entfernt waren. Naja, so sind wir dann nur ins Akropolis-Center gefahren und haben dort aber auch ordentlich Zeit verbracht. Ich glaube wir waren 6h in dem Ding. Und ich möchte anmerken, ich habe noch nicht mal was gekauft. Wo die Zeit hin ist weiß ich auch nicht. Schmecken lassen haben wir es und natürlich wieder bei CanCan-Pizza und diesmal auch bei LaCrepe. Oh man, ich muss echt aufpassen nicht dick zu werden.

Nächste Woche dann besucht mich endlich Susann. Das gesamte Wochenende werden wir in Vilnius verbringen und erst Montag hier her ins Kinderheim fahren. Das Hostel ist auch schon gebucht. Oh man, wie ich mich freue :). <3

Tag 62-68: Eeeendlich Wochenende!

Sonntag, 07.10.2012

Nun ist bei uns wirklich Herbst geworden. Die letzten Tage war es wirklich sehr, sehr kalt und die Temperaturen sind kaum über 10°C angestiegen. Gestern, so wie auch schon die Tage davor hat es den ganzen Tag regnet, teilweise echt stark.

Gestern haben wir einen Ausflug nach Kedainiai gemacht. Die Stadt liegt ungefähr eine Stunde vom Kinderheim entfernt. Laut Reiseführer eine sehr schöne und verträumte Stadt mit vielen Häusern im Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko-Stil. Ich weiß allerdings nicht wo die gestanden haben sollen. Es gab schon einige Häuser in diesem Stil, aber jetzt nicht so übermäßig viele und nicht so übermäßig schön. In meinem Reiseführer war ein Rundgang beschrieben, den wir abgelaufen sind. Dann haben wir noch kurz was zu Mittag gegessen und sind zum Mittelpunkt Litauens gefahren. Der Weg dorthin war auch recht abenteuerlich, denn er verlief über einen Sand-/Feldweg, der aber durch den Regen sehr aufgematscht war und tiefe Schlaglöcher hatte. Dort angekommen, gab es nur eine winzige Säule. Naja, haben wir uns mal stolz davor fotografiert und sind dann nach Elektrenai gefahren. Gestern war zum Glück das Schwimmbad offen und so konnte ich schön meine Runden drehen. Hat seeehr gut getan, aber ich habe schon gemerkt, dass ich jetzt wieder jede Woche gehen muss, da 8 Wochen ohne Training nicht so spurlos an einem vorbeigehen. Nächste Woche werden wir also wieder schwimmen gehen, auch wenn Firat schwimmen nicht wirklich zusagt und er kaum eine Bahn (50m) geschafft hat ohne schlapp zu machen. Ansonsten ist das Schwimmbad recht einfach. Es gibt nur ein Schwimmbecken mit acht, jeweils 50-Meter-Bahnen. Komischerweise tropfte es manchmal von der Decke. Ob diese nicht ganz dicht ist (weil es ja draußen geregnet hatte) oder es einfach nur Kondenswasser war, wissen wir nicht. Das Personal dort ist aber sehr freundlich. Die Frau am Eingang hat uns gleich alles genau erklärt (Jacke draußen an einen Hacken hängen, Schuhe aus ...) und gezeigt. Auch war alles sehr sauber. Nach dem Schwimmen sind wie wieder einmal zu CanCan-Pizza gegangen und ich habe meine geliebte kalte Rotebeetesuppe gegessen. Sehr lecker :).

Orthodoxe Kirche in Kedainiai! Die hölzerne St. Joseph-Kirche. In der St. Joseph-Kirche. Blick über den Nevezys zur St. Georgkirche. Ein Werkstattgebäude (ist es von 1624-1661 gewesen). Jitka gaaanz stolz vor der Säule des geographischen Mittelpunkts Litauens! Und noch einmal ... Und eine ordentliche Grimasse ziehen gehört natürlich auch dazu. Man beachte Firats mehr als skeptische Blick! :D


Am Montag oder Dienstag haben wir mit den Kindern einen Geburtstagskalender gebastelt. Wir haben ihn bunt gestaltet und jeder konnte malen was er wollte. Es haben sich aber leider nicht so viele Kinder daran beteiligt wie gehofft, aber insgesamt wurde er gut angenommen. Die Kinder haben uns dann ganz stolz gezeigt, wann sie Geburtstag haben und die Kinder, die mit einem von uns in einem Monat Geburtstag haben waren noch mal stolzer und haben immer wieder drauf gezeigt. Am Donnerstagabend haben wir zum Abendbrot Spaghetti gekocht. Da haben wir uns nur von einem Jungen helfen lassen, denn beim Spaghetti kochen gibt es ja nicht so viel zu tun. Wir haben ihn den Käse reiben lassen und er hat uns mit geholfen die Nudeln abzugießen. Den Kindern hat es sehr gut geschmeckt, dass haben sie uns immer wieder versichert. Da noch so viel Tomatensoße und Käse übrig war, haben wir Freitagabend gleich noch Pizza mit den Kindern gemacht. Auch da haben uns wieder Kinder geholfen, aber leider auch nur 2, 3. Naja, aber gelobt haben sie unsere Pizza trotzdem bis zum Himmel.