Berichte von 09/2012

Tag 55-61: Schwere Woche und neuerlicher Ausfluge nach Vilnius

Samstag, 29.09.2012

Endlich ist wieder einmal Wochenende :). Die vergangene Woche war nicht so toll. Am Donnerstagnachmittag gab es einen Angriff gegen mich. Ein Junge hat wieder mal seine Schwester verprügelt. Ich bin natürlich dazwischen gegangen und habe das Mädchen getröstet und mich dann eine längere Zeit mit ihr allein beschäftigt. Wir sind dann beide zum Nachmittagssnack wieder rüber in das Haus der Kinder gegangen. Dort habe ich mich mit ihr, zu einem andern Jungen an den PC gesetzt. Als ich kurz aufstand und zum Tisch ging, um mir noch was zu trinken zu holen, kam auf einmal ihr Bruder wieder rein ins Haus und schmiss mit voller Wucht mit 2 Joghurts auf mich. Nicht schön, überhaupt nicht schön. Meine ganze Kleidung, meine Haare und mein Gesicht sowie Hals und Arme waren voller Joghurt. (P.S. Es waren zwei 0,5 Liter Joghurts, d.h. ich war mit einem Liter Joghurt voll.)  Ich bin dann auch gleich in unser Haus und habe mir erstmal Haare gewaschen und mich halb geduscht. Dass wir nur eiskaltes Wasser hatten, war mir egal. Ich bin an dem Tag auch nicht noch mal rüber ins Haus der Kinder gegangen. Ich war so fertig und am Ende und wäre am Liebsten sofort von Koncepto abgereist. Da hier aber auch eine wirklich tolle Erziehung herrscht, hat der Junge keinerlei Strafen bekommen. Toll. Am nächsten Tag war er nicht in der Schule und anstatt, dass er mit im Haushalt helfen (z.B. Hausputzen) oder im Garten arbeiten muss, sitzt er den ganzen Tag vorm Computer und schaut Filme bzw. spielt Spiele. Wenn ihm keinerlei Konsequenzen drohen, wenn er schlechtes Verhalten an den Tag legt, wie soll er dann lernen, dass das, was er getan hat nicht richtig ist? Hier ist die Erziehung allgemein so gut wie nicht vorhanden. Wenn ein Kind ein anderes verprügelt, wird höchstens mal dessen Namen gerufen, aber das wars auch schon.

Ich hab echt keine Lust mehr aufs Kinderheim. Ich hoffe echt, ich kann langsam mal nach Alytus.

Heute waren wir wieder einmal in Vilnius. Diesmal besuchten wir den Burg“berg“, besser gesagt, das Burghügelchen. Allerdings muss ich sagen, dass die Aussicht von dort oben auf Vilnius echt seeehr schön ist, was ich von unten gar nicht so erwartet hatte, als ich das Hügelchen sah. Wir fuhren mit so einer Art Minidrahtseilbahn nach oben und bestiegen dann einen kleinen Turm. Ist echt nur weiterzuempfehlen (weil mega Blick auf Vilnius). Auf runterzu mussten wir dann laufen, da die Bahn nicht mehr fuhr. War weiter nicht schlimm, da der Weg jetzt nun auch kein ganz so weiter war. Als sich jedoch der Weg runtezu gabelte, nahmen wir den, der eher in unsere Richtung ging, von der wir auf hinzu gekommen waren. Als wir unten ankamen, standen wir vor einem Zaun mit Tor und kamen nicht raus. Also gingen wir an dem Zaun unten entlang, einige Meter über uns verlief der eigentliche Weg parallel. Wir dachten eigentlich, dass wir so wieder auf den richtigen Weg kommen mussten. Kamen wir aber nicht direkt. Denn vorne an einem Tor angelangt, standen wir immer noch unten auf dem Trampelfahrt und der Weg war immer noch ein paar Meter über uns. Also mussten wir eine kleine Kletterpartie einlegen, um auf den richtigen Weg zu kommen und somit wieder raus aus dem Burg-Gelände. Anschließen fuhren wir wieder einmal ins Akropolis-Center, da wir ja noch Firats Brille von Fielmann abholen musste (sie war kaputt gegangen und wir brachten sie letzte Woche dorthin), erledigten dort unseren Wocheneinkauf und aßen Mittag.

Am Abend wollten wir eigentlich in Elektrenai schwimmen gehen, doch dort angekommen teilte man uns mit, dass sie noch geschlossen hätten und erst am 01. Oktober wieder öffnen würden, also am Montag. Seeehr schade. Also überlegten wir, wohin wir noch könnten und entschieden uns für Kaisiadorys, einer kleinen Stadt 20 Minuten von Elektrenai sowie von Koncepto Kaimas (Kinderheim) entfernt. Als wir in Kaisiadorys ankamen mussten wir uns das Schwimmbad erstmal zeigen lassen. Aber leider war auch dieses geschlossen. Wir ärgerten uns sehr, warum wir nicht einfach in Vilnius baden gegangen sind. So kehrten wir unverrichteter Dinge wieder nach Elektrenai zurück und aßen in CanCan Pizza Abendbrot. Nun sind wir wieder im Kinderheim.

Morgen, am Sonntag, wollen wir mal nichts unternehmen und den ganzen Tag nur faulenzen und vor allem ausschlafen. Das muss auch mal wieder sein.

Keine Sorge, ich bin nur den Feldweg vom Kinderheim vor zur Straße gefahren ;). Statue von Mindaugas, dem Gründer Litauens. Burgturm auf dem Burgberg. Vom Turm aus hatte man eine tolle Aussicht auf Vilnius. Das ist das eine komische weiße Haus, von dem ich letztens Berichtet habe, mit der schönen Kirche, nochmal von oben zu sehen. So als kleine Gedächtnisstütze, so sieht die Flagge von Litauen aus.

Und wieder einmal ein niedliches Bildchen zum Schluss.

Rozalia mit ihrem kleinen Danielus.

Tag 40-54: Wochenendausflug nach Kaunas und Vilnius

Montag, 24.09.2012

 

So, nun melde ich mich auch endlich mal wieder. Was gibt es neues bei mir? Letztes Wochenende waren wir komplett in Kaunas, dieses in Vilnius. Außerdem hat Franzi uns dieses Wochenende verlassen und ist wieder zurück nach Deutschland, da sie es hier nicht mehr ausgehalten hat. 

Erstmal etwas zu letztem Wochenende. Wir haben uns schon Tag vorher informiert, welche Hostels es gibt und haben uns ein 3-Bettzimmer gebucht. Unser Hostel war auch echt schön. Sehr modern eingerichtet und es war sehr sauber. Ich denke, wenn Firat und ich wieder mal in Kaunas sind, werden wir wieder dort einchecken. Wir mussten pro Nacht und Person auch nur 11€ bezahlen, inclusive Handtücher, Bettwäsche, Frühstück, W-Lan. Firat ist allerdings pünktlich zum losfahren, krank geworden. Frühs meinte er noch, er hat das Gefühl krank zu werden und mittags war er dann richtig krank. Er hatte eine fette Erkältung. Deshalb ist er nach dem Mittagessen ins Hostel gegangen und hat dort den ganzen Nachmittag und frühen Abend verschlafen, bis Franzo und ich 19.00 wieder im Hostel ankamen.Wir haben uns in Kaunas das Teufelsmuseum (fand ich ziemlich gut :) angesehen, und waren in der Vilnius-Gatve, angeblich der größten Shoppingmeile Kaunases, aber dort gab es nur Restaurants und Souvenirläden. Naja, war trotzdem ein schönes Sträßchen. Abends wollten wir in einen Pub gehe, den uns eine Betreuerin hier empfohlen hatte. Aber dort fanden wir es ziemlich merkwürdig und sind deshalb gar nicht erst wirklich rein. Ein paar Häuser weiter gab es den nächsten Pub, aber dort sind wir nicht reingekommen, da Firat seinen Reisepass nicht mit hatte (sein Ausweis wird ja noch zugeschickt von seinen Eltern). Also sind wir zu einer Bar, aber dort war es auch voll komisch und dann sind wir einfach nur zu Charlie-Pizza (eine große Pizzakette in Litauen), dort war Karaokeabend. Da haben wir Pizza gegessen und Franzi und ich ein Bier getrunken. Dann sind wir wieder zurück ins Hostel, wegen Firat. Am Sonntag dann waren wir im Zoo (der einzige in ganz Litauen), aber überzeugt hat er mich nicht. Die Tier wurden in voll kleinen Käfigen gehalten und der Zoo war allgemein nicht schön. Also gar nicht zu vergleichen mit Chemnitz, Dresden und schon gar nicht Leipzig.Danach sind wir ins Akropolis, dem größten Shoppingcenter der Stadt und haben dort den Nachmittag und den viertelsten Abend verbracht. Dann sind wir wieder Heim gefahren. Im Fazit, so ganz schön fand ich Kaunas nicht, aber sicher waren wir auch in der falschen Ecke und haben nicht die ganzen Sehenswürdigkeiten gesehen, da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht mein Reiseführerbuch von Litauen hatte. Wir haben zwar im Internet nachgesehen, aber da stand immer nur so allgemeines Zeug über Kaunas und nichts spezielles.  

Einen großen Schock haben wir bekommen, als wir wieder im Kinderheim ankamen. In Firats Zimmer lief eine Maus rum. War nicht sehr schön. Wir sind gleich zu Agne (einer Betreuerin) und haben gefragt was wir tun sollen. Sie kam dann mit einer Katze zu uns, die aber blöderweise selbst Angst vor Mäusen hatte (dass es sowas gibt hab ich auch noch nicht gewusst). Die Katze hat keine Maus gefunden bzw. auch nicht wirklich gesucht. Dann haben wir selber das Zimmer nochmal abgesucht, nachdem die Katze weg war, um die Maus evtl. zu fangen, haben sie aber nicht mehr gefunden. Also schliefen wir alle bei Franzi im Zimmer, da es das einzige Zimmer war, bei dem die Tür vollständig zu schließen geht (bei mir und Firats Zimmer sind Ritzen unten in der Tür, wo sie durch könnte).

 

   Murmeltier :D

Dieses Wochenende waren wir in Vilnius. Dieses Mal haben wir ein wenig kurz vor knapp angefangen uns ein Hostel zu suchen und hatten echt arge Probleme eines zu finden. Letztlich hatten wir doch Glück und buchten ein 3-Bettzimmer für 11€ pro Person. In dem Hostel sah es allerdings i.wie ein wenig nach Puff aus, das lag an dem Licht und an der Tapette, eben an der Aufmachung. Aber es war trotzdem ganz ok. Die Zimmer waren sauber, die Duschen bzw. die WC's weniger, aber ich denke es lag eher daran, dass sie von so viele benutzt werden, als daran, dass es nicht gut sauber gemacht war. Nun zum Wochenendablauf:  Am Samstag waren wir vormittags im Akropoliscenter, einem rieseigem Einkaufstempel am Rande der Stadt. (Das Wochenende davor in Kaunas waren wir ja auch schon im Akropoliscenter. Es gibt eins in Vilnius und eins Kaunas). Im Akropoliscenter frühstückten wir erstmal und Franzi kaufte noch letzte Mitbringsel und andenken, dann sind wir erstmal zum Hostel um unsere Sachen ins Zimmer zu bringen. Danach sind wir in die Altstadt. Haben sie uns angesehen, die Häuser und auch die Kirchen und waren noch ein wenig shoppen. Abends sind wir dann in einen Pub gegangen. Mhhh, war sehr lecker. Wir haben typisch englische "Fish 'n' Chips" gegessen und ein Bier getrunken. Dann haben wir noch einen Film im Hostel angesehen. Am Sonntag waren wir dann nur noch in einem Kaffe frühstücken (Frühstück war nicht im Hostelpreis inbegriffen) und haben dann Franzi zum Busbahnhof gefahren und verabschiedet. Anschließend sind Firat und ich nochmal ins Akropoliscenter gefahren, haben Mittaggegessen und sind noch ein wenig rumgeschlendert, haben dann noch eine heiße Schokolade getrunken und sind wieder ins Kinderheim gefahren. Ich muss sagen, Vilnius ist ein wirklich sehr, sehr schöne Stadt. Mir gefällt der Stil der Bauden und auch i.wie das Feeling dort. Ich finde, die Häuser haben einen südländischen Flair.

 

  

Der Platz vor dem Haus der Künstler. Das Haus der Künstler. Eine der vielen Kirchen in Vilnius. Auch eine Kirche, auch wenn es von außen nicht so aussieht. Von innen eine sehr, sehr schöne sogar :).

Und noch etwas. Vor letzte Woche waren mit mit den Kinderm in Elektrenai am See baden. Ihnen hat es sehr gefallen und einige von ihnen wollten gar nicht wieder heim. Wir haben ihnen versprochen noch einmal nach Elektrenai zu fahren, nun allerdings ins Schwimmbad. Werden wir diese oder nächste Woche auch mal tun.

Am See in Elektrenai. Der See in Elektrenai.

Und nun noch ein niedliches Bildchen zum Schluss:

Tag 40: Ausflug nach Kernave zu den Mittelalterhügeln

Dienstag, 11.09.2012

Sonntag:

Nachdem wir ausgiebig ausgeschlafen und gefrühstückt hatten, haben wir uns auf den Weg nach Kernave gemacht, ohne so richtig zu wissen, was uns dort erwartet. Wir hatten Samstag Abend Agne (eine Betreuerin) gefragt, ob sie uns denn nicht etwas für Sonntag empfehlen könnte. Den Abend zuvor hatte sie noch verneint, Sonntag morgen jedoch meinte sie, dass wir doch nach Kernave fahren könnten, da gäbe es Berge aus dem Mittelalter. Wir auf der Karte nach geguckt wo wir hin müssen, schön abfotographiert und los ging es. Das Örtchen hatten wir auch schnell gefunden, die Mittelalterhügelchen erst nach Fragen. Dort angekommen hatten wir einen echt wunderschönen Blick. Aber überzeugt euch selbst Zwinkernd.

Franzi in ihrem heißgeliebten Bus.

Danach ging es weiter nach Elektrenai zum Maxima um im CanCan Pizza uns ein Eis zu gönnen und noch Kleinigkeiten zu kaufen. Dann ging es leider schon wieder ins Kinderheim zurück Stirnrunzelnd.

Tag 24-39: Die letzten beiden Urlaubstage und Ankunft sowie das Leben im Kinderheim.

Samstag, 08.09.2012

So, dass ich lange nichts mehr von mir hören lassen habe liegt daran, dass ich bisher noch nicht die nötige Ruhe dafür hatte einen neuen Eintrag zu hinterlassen, da ich eigentlich permanent mit den andern Freiwilligen zusammen bin.

Den letzten Urlaubstag in Nida waren wir vormittags im Thomas Mann Museum und nachmittags am Strand. Das Thomas Mann Museum fand ich ziemlich interessant, da ich viel über sein Leben erfahren habe, was ich bisher noch nicht wusste. Außerdem hat mir auch der Baustiel seines Sommerhauses (indem sich das Museum befand) sehr zugesagt, da er, wie ich fand schon recht modern und schön war. Vormittags, als wir noch im Museum waren, schien noch die Sonne, nachmittags allerdings, als wir uns fertig für den Strand gemacht hatten nicht mehr. Naja, machte nix. Ich bin dann noch mit meinem Vati in die Ostsee gesprungen, damit ich  sagen konnte, dass ich auch drin war.

Der Beweis: Wir waren drin und ja, es war kalt, aber schön ;).

Nächsten Tag sollte es dann nach Kernave gehen unserem 2. Urlaubsdomizil. Auf dem Weg dorthin (verbunden mit einem kleinen Umweg) machten wir noch halt im Bernsteinmuseum in Palanga und beim Berg der Kreuze in der Nähe von Siaulai (oder so ähnlich {#emotions_dlg.wink}). Das Bernsteinmuseum befand sich in einem Schloss, was sich wiederrum in einem wunderschönen Park befand. Da wir nicht sehr viel Zeit hatten konnten wir uns leider den Park nicht noch in Ruhe angucken. Das Museum an sich fand ich schon sehr schön, hat mich jetzt aber nicht so krass vom Hocker gerissen, dafür, dass es das größte Bernsteinmuseum Europas sein sollte. In Palanga haben wir dann noch, da es ja schnell gehen musste, bei einem Kebabas (eine Art Imbiss) einen Dürum bzw. eine Pizza gegessen. Dann ging es weiter zum Berg der Kreuze. Den Weg dahin habe ich wieder einmal verschlafen, aber die Landschaft Litauens ist auch nicht gerade Abwechslungsreich. Unter Berg, darf man sich weniger einen wirklichen Berg vorstellen, sonders es war eher ein Hügelchen von max 9m Höhe. Allerdings war der Hügel und die Wiese um den Hügel herum voller Kreuze, was ich sehr beeindruckend fand. Ich glaube so viele Kreuze auf einmal, nebeneinander, übereinander habe ich noch nie gesehen. Auch sahen wir dort viele Brautpaare, die extra dort hingefahren sind um sich dort fotographieren zu lassen und zu beten. Jeder, der dort hinkommt/hinpilgert und gläubig ist bringt sein eigenes Kreuz mit und schreibt einen Wunsch/ein Gebet für sich oder für einen Freund drauf und steckt es zu den andern Kreuzen in die Erde bzw. hängt es als Kette an ein anderes Kreuz.

Das Schloss in dem das Bernsteinmuseum sich befindet. Schachbrett aus Bernstein. Berg der Kreuze. Ebenfalls der Berg der Kreuze (hinter de, Berg geht es noch weiter ;)).

Am Abend dann wechselten wir in unsere neue Unterkunft und waren sehr enttäuscht. Die Ferienwohnung gehörte zu einem 4. Steren Hotel. Die Ausstattung und die Sauberkeit entsprachen aber in keinster Weise den Sternen. Naja, mir war es egal, da ich ja eh den nächsten Tag ins Kinderheim gehen sollte/musste. Aber hätte ich da schon gewusst, was mich im Kinderheim erwarten wird, so wäre ich über den Standart in der FeWo froh gewesen.

Am Sonntag dann ging es Vormittags nach Vilnius. Dort schauten wir uns die schöne Altstadt an und ich war von Vilnius echt begeistert.  Teilweise fand ich, sahen die Häuser leicht Südeuropäisch aus. (Habe aber leider keine Bilder, sind alle bei meinem Papi auf der Dicicam). Gegen 14.00 trafen wir uns dort auch mit Firat, dem Mitfreiwilligen, und fuhrem mit ihm wieder zum Flughafen, da er dort noch seine Koffer hatte und wir uns dort eigentlich auch mit Elena, der Leiterin des Kinderheims treffen wollten, da wir keinen blassen Schimmer hatten, wo das Kinderheim denn nun eigentlich liegt. Wir warteten und warteten, dann kam ein Anruf von Franzi (der anderen Freiwilligen, die mit dem Bus nach Litauen gefahren war) das Elena nicht gekommen ist und sie schon Ewigkeiten wartet. Also fuhren wir zum Busbahnhof von Vilnius. Dort wartete, zum Glück, mit Franzi ein Bekannter von Elena und erklärte uns wohin wir fahren müssten, also welche Autobahnausfahrt und wie dann weiter, Franzi selbst setzte er dann noch in den richtigen Zug.

Die Ankunft im Kinderheim war dann noch ok, Elena bot uns allen im Haupthaus (wo sie selbst auch wohnt) einen Tee an und wir redeten dann in Ruhe. Als Franzi dann da war, verabschiedete sich meine Familie von mir, allerdings mit dem Hintergedanken, dass wir uns am Donnerstag (den Tag vor ihrer Abreise aus Litauen) nochmal sehen würden. So gab es Sonntag abend noch keine große Abschiedszeremonie. Der Schock kam dann erst, als Elena uns unser Haus zeigte. In den Zimmer standen kaum Möbel und die, die da waren, waren entweder kaputt oder total versüfft. Allgemein waren unsere Zimmer und die sanitären Anlagen ziemlich dreckig. Außerdem funktionierten die sanitären Anlagen nicht richtig und wir hatten die ersten Tage nur kaltes Wasser. Und ich muss sagen, es ist echt nicht schön sich mit eiskaltem Wasser zu duschen. (Inzwischen gehen wir bei den Kindern im Haus duschen, da es dort wenigstens warmes Wasser gibt und der Wasserdruck ganz ok ist). Nachdem wir dann unsere ganzen Zimmer gründlichst gesäubert haben und uns noch die besten Möbelstücke zusammen gesucht hatten sah die Welt schon wieder besser aus. Allerdings machte es mir von daher auch nicht mehr so viel aus, da ich ja wusste, hier nur 1,5 Wochen bleiben zu müssen (das daraus nun 1,5 Monate werden, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht). Allerdings haben wir jetzt auch schon in den ersten beiden Wochen mehr als 150€ ausgegeben um uns einigermaßen einzurichten. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass wir pro Monat nur 100€ Taschengeld bekommen. Zusätzlich kommt noch hinzu, dass Firat das Essen hier nicht schmeckt und wir noch Brot, Käse, Müsli und Milch kaufen müssen. Außerdem können wir hier das Leitungswasser nicht zum Zähneputzen bzw. zum trinken nehmen (riecht fürchterlich, wie Abwasser oder verfaulte Eier) und müssen uns so immer Wasser bzw. Wasserkanister kaufen, was auch ziemlich viel Geld verschlingt. 

Was uns auch ganz schön zu schaffen macht ist die krasse Abgeschiedenheit. Das "Dorf" besteht aus gerade mal 6 Häusern. Der nächste Ort ist 3km entfernt und zur nächsten Stadt (Elektrenai) brauchen wir mit dem Kleinbus des DRK (der uns glücklicherweise zur Verfügung steht) rund 15 Minuten. Aber ohne Bus können wir hier nicht so einfach weg. Dadurch können wir hier auch keine anderen Jugendlichen in unserem Alter kennen lernen. Was mir zusätzlich noch ganz schön auf die Nerven geht ist, dass wir mit den Kindern permanent zusammen sind. Dh, wir können nicht einfach so in den Feierabend gehen wie jeder normaler Mensch, sondern sind hier immer mit den Kindern zusammen. Auch am Wochenende. Als wir letzte Woche das erste mal mit dem Kleinbus nach Elektrenai fahren konnten haben wir uns wie bekloppt gefreut.

Auf dem Weg nach Elektrenai. Firat und ich.

Letztes Wochenende sind wir Samstag nach Trakai zur Wasserburg gefahren. Dort angekommen haben wir für 15lt (umgerechnet 4€) erstmal Mittag gegessen.  Ziemlich günstig, aber für litauische Verhältnisse normal. In der Burg selbst haben wir uns an eine deutsche Führung ran gehängt und so ziemlich viel von Burg, Land und Leute aus der Zeit Mindaugases (Gründer Litauens) erfahren. Sonntag waren wir beim Mittelpunkt Europas und im Europapark. Von dem Europapark war ich nicht so angetan. Sehr teurer Eintritt und die ausgestellten Skulpturen waren nur moderne Kunst. Auf dem Heimweg haben wir noch kurz in einem Einkaufszentrum in Vilnius halt gemacht und eine Kleinigkeit gegessen und gekauft.

Wasserburg Trakai Firat und ich vor der Burg. Hiiiilfeeee! Mittelpunkt Europas! Europa Park - Der Sessel, noch eine der sinnvolleneren Skulpturen.  Firat mit Skulptur.

Am Montag war der erste Schultag der Kinder und so mussten wir um 6.00 Uhr aufstehen und die Kinder für die Schule fertig machen. Nachdem die Kinder zur Schule sind (um 9.00) haben wir uns nochmal schlafen gelegt. Aber i.wie interessiert es hier auch keinen wenn man einfach mal 4h nicht da ist. Leider gibt es hier auch nicht wirklich Arbeit für uns. Die Kinder sind um 15.00 aus der Schule gekommen und bis dahin hatten wir nix zu tun. Allgemein werden wir hier ein wenig fürs chillen bezahlt, bissel mit den Kindern spielen, fern sehen, dass wars. Gestern haben wir endlich unseren Arbeitsplan bekommen. Allerdings haben wir trotzdem noch genügend Freizeit während die Kinder in der Schule sind. Die Kinder akzeptieren uns zum Glück langsam. Aber sie müssen sich ja auch erstmal an uns gewöhnen. Mit ein paar von ihnen spielen wir regelmäßig UNO und Okey bzw. Basketball. Aber vor allem die Jungs bekommen wir einfach nicht vom Computer weg. Montag abend haben wir extra für die Kinder Stockbrot und Lagerfeuer gemacht. Von einigen wurde es ziemlich gut angenommen (von denjenigen, mit denen wir sowieso immer zusammen was machen) von anderen weniger, da sie wiedermal vorm PC sahsen und dieser wichtiger war als ihr Abendbrot. 

Lagerfeuer.

Am Dienstag dann waren Herr Nowack und Herr Breitbach in Koncepto/im Kinderheim und haben mit uns über die Zeit hier und unsere Probleme geredet. Franzi und Firat wollen auf keinen Fall ein ganzes Jahr hier bleiben und wollen deshalb Alternativen. Herr Nowack unterbreitete mir die Hiobsbotschaft, dass ich hier nun doch länger bleiben muss als erst gedacht, da sich Roma, meine Ansprechpartnerin in Alytus, (schon vor längere Zeit das Bein gebrochen hatte) erst einarbeiten muss. Mich hat diese Nachricht total runtergezogen, da ich mich schon so sehr auf Alytus gefreut hatte und nun doch noch länger hier bleiben muss, wo es mir hier schon nicht so mega krass gefällt. Außerdem hat mir Herr Nowack nochmal in aller Deutlichkeit klar gemacht, dass ich einen Führerschein brauche. Meine Eltern müssen Montag erstmal bei meinem Fahrlehrer anrufen und klären, ob er inzwischen raus bekommen hat, ob ich meinen Führerschein hier machen kann oder nicht. Ansonsten müsste ich wahrscheinlich echt nochmal nach Haus fliegen, aber dass will ich nicht so ganz, da ich Angst habe, dass ich nicht mehr hier her zurück will. Naja, mal den Montag abwarten.

Donnerstag waren wir mit den KIndern in der Schule, was ich eigentlich ziemlich cool fand. War mal eine Abwechslung. Wir haben uns in verschiedene Klassen mit reingesetzt (also wo Kinder von uns waren) und haben dem Unterricht beigewohnt. War ganz cool. Und hat mit sehr Spaß gemacht. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen mal zu sagen, dass ich in die Schule will und das es echt cool war.

Schulbus

Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss. Seit froh, dass ihr im warmen Deutschland sitzt, uns ist hier jeden Tag soo kalt. Aber die Temperaturen entsprechen auch eher denen von Oktober oder November. Echt nicht schön. Wir mussten heute schon den Lüfter von Franzi anmachen. So ist es auch kein Wunder, dass der erste litauische Satz war (den wir hier gelernt haben), "Mir ist kalt!" = "Man schalta!". Mit der Sprache geht es so langsam ein wenig vorwärts, also dh. wir lernen jedentag neue Wörter hinzu. Reicht natürlich nicht, um sich mit den Kindern auf litauisch zu unterhalten, aber zum Glück können hier einige ganz gut englisch, was die Kommunikation wesentlich erleichtert.

So, jetzt noch ein paar Bilder zum Schluss und dann war es das heute erstmal von mir.

Die schlaue Art Wäsche zu trocknen :D. Das Baby (Danielus) von einem Mädchen hier (15). Rosalia (Momy) und Baby. In Zasliai (wo die Schule ist) am See. In Elektrenai am See. Der litauische Mixer :D. ... und fertig ist der Geburtstagskuchen für Rosalia.